Geschichte der SPD Essen

1867
Am 23. Juni wird im Lokal Müller in der Kastanienallee der Essener Allgemeine Deutsche Arbeiter-Verein gegründet. Als erster Vorsitzender agiert der Apotheker Heinrich Vogel.
Bei den Wahlen zum Norddeutschen Reichstag am 31. August kandidiert in Essen erstmals ein Arbeiterkandidat: Der Lohgerber Wilhelm Hasenclever (geboren 1837 in Arnsberg) erhielt 27, 1 Prozent der Stimmen.

1878
Am 21. Oktober stimmt der Reichstag dem bismarckschen Sozialistengesetz „gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozialdemokratie“ zu. Die Polizei wird zur Auflösung sozialdemokratischer Vereine und zur Beschlagnahmung aller ihrer Schriften ermächtigt.

1890
Nach Aufhebung des Sozialistengesetzes findet im Oktober in Halle der Parteitag der deutschen Sozialdemokratie statt. Die Partei bekommt einen neuen Namen: Sozialdemokratische Partei Deutschlands.

1902
Die Essener SPD richtet in der Kirchstraße 18 ihr erstes Sekretariat ein. Erster Parteisekretär ist Rudolf Bühler aus Remscheid. Parteivorsitzender ist Wilhelm Ostkamp, der gleichzeitig auch Redaktionsleiter der Essener Parteizeitung „Der Weckruf“ ist.

1904
Am 6. Januar gründet Wilhelmina (Minna) Deuper die Essener Sozialdemokratische Frauenbewegung. Bei der Gründungsversammlung im Lokal „Borussia“ an der Rottstraße kommen 168 Frauen zusammen. Sie kämpfen mit vielen anderen in ganz Deutschland für mehr Rechte und vor allem für das Frauenwahlrecht.

1907
Die Mitgliederzahl der Essener Sozialdemokraten ist von 125 im Jahre 1875 auf fast 3000 gestiegen.
Im Lokal Maas an der Ecke Rüttenscheider Straße/ Franziskastraße findet erstmals ein SPD-Parteitag im Ruhrgebiet statt. Die Leitung übernehmen der Parteivorsitzende Paul Singer und Franz Gemoll, Vorsitzender der Essener SPD.
In der Grabenstraße 67 (heute Friedrich-Ebert-Straße) wird eine moderne Druckerei eingerichtet. Am 26. Oktober erscheint erstmals die „Arbeiterzeitung“, später in „Volkswacht“ umbenannt. Auch das Parteisekretariat zieht in die Grabenstraße 67 um.

1908
Nach dem Dreiklassen-Wahlrecht zieht mit dem Barbier August Hohage ein Sozialdemokrat in das Essener Stadtverordneten-Parlament ein.

1917
Die Sozialdemokratie spaltet sich in zwei Parteien, die Mehrheits-SPD und die Unabhängige Sozialdemokratische Partei (USPD).

1919
Das Wahlrecht für Frauen wird eingeführt.
Emma Grasse aus Altenessen ist die erste Sozialdemokratin, die in den Landtag als Nachrückerin einzieht.
Bei der Stadtverordnetenwahl am 2. März werden aus dem linken Lager drei Frauen gewählt: Für die SPD Emma Gasse (die auf ihr Mandat verzichtet, weil sie im Landtag sitzt) und Monika Hinrichs sowie für die USPD Emma Leder.

1933
„Machtübername“ durch Adolf Hitler am 30. Januar. Die politische Arbeit und Aktivitäten der Sozialdemokraten werden immer schwieriger und gefährlicher.
Am 21. März erhebt sich die SPD mit ihrem mutigen „Nein“ zum Ermächtigungsgesetz gegen das Naziregime. Die Auswirkungen für die Essener SPD-Stadträte Martin Krolik und Hugo Verspohl sind Amtsentfernung und Schutzhaft.
Am 9. Juli kommt mit der „Reichsverordnung zur Sicherung der Staatsführung“ das endgültige „Aus“ für alle sozialdemokratischen Aktivitäten. Eine Terrorwelle durch SA-Horden bricht auch in Essen über die Sozialdemokraten/innen herein. Viele SPD-Mitglieder und Funktionäre werden verhaftet, zu Tode geprügelt oder auf offener Straße umgebracht. Mutige Sozialdemokraten/innen setzen die Parteiarbeit im Untergrund fort.

1945
Nach der Befreiung vom Nazi-Regime und dem Kriegsende besetzen alliierte Truppen auch Essen und übernehmen die Verwaltung. Von April 1945 bis Januar 1946 wird die Gründung von Parteien und Gewerkschaften nicht zugelassen. Die Essener Genossinnen und Genossen reorganisieren sich dennoch und führen am 25. November die erste – illegale – Delegiertenkonferenz durch. Wilhelm Nieswandt wird als Vorsitzender bestätigt.

1946
Offizielle Wiedergründung am 27. Januar im Atrium-Kino, Kettwiger Straße.
Am 6. Februar tagt im Rathaus Kray erstmals der von dem britischen Stadtkommandanten ernannte Rat der Stadt Essen. Für die SPD nehmen 2 Frauen und 15 Männer teil.
Die erste freie Kommunalwahl findet am 13. Oktober statt. Für die SPD werden 4 Frauen und 15 Männer gewählt, darunter auch Widerstandskämpfer wie Wilhelm Nieswandt oder Gustav Streich. Erster frei gewählter Oberbürgermeister wird Gustav Heinemann, damals noch CDU, später erster sozialdemokratischer Bundespräsident.

1947
Bei den Landtagswahlen gewinnt Maria Berns das Direktmandat für den Essener Norden.

1956
Mit 51,1 Prozent erreicht die SPD bei den Kommunalwahlen die absolute Mehrheit. Wilhelm Nieswandt wird erster sozialdemokratischer Oberbürgermeister von Essen.

1964
Die absolute Mehrheit der SPD wird zum dritten Mal in Folge bestätigt.

1969
Horst Katzor wird einstimmig zum Oberbürgermeister gewählt.

1984
Peter Reuschenbach wird Oberbürgermeister.

1989
Mit Annette Jäger hat Essen erstmals eine Oberbürgermeisterin als Stadtspitze.

1999
Die SPD verliert nach 43 Jahren ihre Ratsmehrheit und geht in die Opposition.

2009
Nach zehn Jahren Opposition ist die SPD wieder stärkste Kraft im Essener Stadtrat. Auch das Amt des Oberbürgermeisters bekleidet mit Reinhard Paß wieder ein Sozialdemokrat.

2011
Rainer Marschan wird zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

2014
Bei der Kommunalwahl erhielt die SPD 34 Prozent der Stimmen. Mit 31 Sitzen ist sie die stärkste Fraktion im Rat der Stadt Essen. Als Fraktionschef wurde Rainer Marschan wiedergewählt.

2016
70 Jahre nachdem die erste Stadtverordnetenversammlung im Krayer Rathaus stattgefunden hat, feiert die SPD-Ratsfraktion ihr Rundes Jubiläum. Die Festreden hielten Fraktionschef Rainer Marschan, 1. Bürgermeister Rudolf Jelinek und NRW-Justizminister Thomas Kutschaty.

2017
Die Essener Sozialdemokratie feiert ihren 150 Geburtstag. Mit mehreren Veranstaltungen, Radtouren und einem Festakt wurde die Arbeit der Genossinen und Genossen gedacht und gewürdigt. Festredner war Außenminister Sigmar Gabriel. In Zusammenarbeit mit dem Künstler Gunter Demnig wurden 8 Stolpersteine für sozialdemokratische Opfer des NS-Terrorregimes verlegt. Ein Stolperstein erinnert nun an den Gewerkschaftler Otto Wolff in Frohnhausen.