Bild: SPD Essen

SPD und AWO Essen feiern Marie Juchacz und die Frauenbewegung

Gemeinsamer Festakt zum 100. Jubiläum der ersten Rede einer Frau in einem deutschen Parlament

„Neue Zeiten bringen neue Ideen und machen neue Kräfte mobil.“ – so hat es die Sozialdemokratin, Frauenrechtlerin und AWO-Gründerin Marie Juchacz einmal gesagt und so war der gemeinsame Festakt von AWO und SPD Essen am Dienstagabend im DGB-Haus überschrieben. Genau 100 Jahre zuvor sprach Juchacz als erste Frau in einem deutschen Parlament.  Grund genug für die Essener Sozialdemokratie und Arbeiterwohlfahrt, diesem historischen Moment zu gedenken.

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Für das musikalische Rahmenprogramm sorgte die Band des Projektkurses Musik der Gustav-Heinemann-Gesamtschule. Nach deren schwungvollen Auftakt begrüßten die Vorsitzenden der Essener SPD und AWO, Thomas Kutschaty und Klaus Johannknecht die rund 90 Gäste. Kutschaty machte klar, dass auch 100 Jahre nach der Einführung des Frauenwahlrechts noch viel zu tun bleibt auf dem Weg zur echten Gleichstellung: „Frauen sind in den Parlamenten noch immer unterrepräsentiert. Deshalb halte ich ein Paritätsgesetz für äußerst sinnvoll.“ Johannknecht wies darauf hin, dass der Kampf der Frauen für Gleichstellung heute mehr denn je ein Vorbild für das Streben nach Gerechtigkeit sein müsse.

Nach diesen kurzen Grußworten übernahmen die Frauen das Ruder des Festakts: Britta Altenkamp, Mitglied des Landtags NRW und Vorsitzende der AWO Niederrhein verdeutlichte in ihrer Ansprache die historische Leistung der ersten Frauenbewegung: Unter großem persönlichen Risiko und oftmals ohne jede Absicherung setzten sich die Frauen für ihre Rechte ein: „Wohlbemerkt ohne hohe formale Bildung und in der ständigen Gefahr, gesellschaftlich geächtet zu werden und die Existenzgrundlage zu verlieren.“ Die Lehren von damals seien heute noch aktuell, so Altenkamp: „Noch immer ist klar: Frauen bekommen nichts geschenkt. Um die Gleichstellung in der Gesellschaft müssen vor allem Frauen selber kämpfen. Und sie müssen begreifen, dass es nur dort, wo sie solidarisch zueinander sind, echte Fortschritte gibt.“ Auch die Leistungen der historischen Frauen der ArbeiterInnenbewegung aus unserer Region, wie etwa Lore Agnes aus Bochum, sowie Erna Loos und Berta Möller-Dostali aus Essen, wurden von Altenkamp gewürdigt.

Im Anschluss trug Malwina Scheele von den Jusos Essen Auszüge aus der ersten Reichstagsrede von Marie Juchacz vor – unter anderem Juchacz‘ treffende Feststellung: „Mit Recht wird man erst jetzt von einem neuen Deutschland sprechen können. Und von der Souveränität des ganzen Volkes.“

Beim abschließenden Podium diskutierten die frauenpolitische Sprecherin der NRWSPD-Landtagsfraktion, Anja Butschkau und die stellvertretende Vorsitzende der AWO Essen, Judith Schlupkothen, mit Moderatorin Britta Altenkamp über die aktuellen Herausforderungen von Frauen in Politik und Gesellschaft. Butschkau forderte einen Kulturwandel und nahm ihre Partei in die Pflicht: „Junge Frauen müssen sich wohler in unseren Ortsvereinen fühlen – da gibt es noch einiges an Nachholbedarf.“ Schlupkothen forderte ein Ende der Ungleichbehandlung in der Arbeitswelt: „Noch immer müssen sich nur Frauen anhören, sie sollten sich doch erstmal um ihre Kinder und nicht so sehr um die Karriere kümmern. Ich glaube, diesen „Ratschlag“ hat noch nie ein Mann zu hören bekommen.“

Zum Ausklang gab es noch ein Getränk auf das Wohl von Marie Juchacz und der Frauenbewegung. In vielen Gesprächen klang dabei viel des Gesagten nach. So auch der Leitspruch von Marie Juchacz: „Neue Zeiten bringen neue Ideen und machen neue Kräfte mobil“.